Was ist die Agency for Safe Space?
Es gibt Momente, in denen Menschen oder ganze Gesellschaften nicht mehr wissen, wie sie miteinander sprechen sollen.
Das kann nach einem Krieg, einer Revolution, nach einer Diktatur oder nach einer Flucht geschehen. Sogar manchmal auch mitten im Frieden.
In solchen Momenten zerbrechen nicht nur politische Ordnungen. Auch Vertrauen, Sprache und Erinnerung verändern sich. Menschen leben weiter, arbeiten, gründen Familien und versuchen, Zukunft zu planen. Gleichzeitig tragen sie Erfahrungen in sich, für die es kaum öffentliche Räume gibt.
Die Agency for Safe Space entwickelt Theater an dieser Schwelle.
Seit 2014 arbeiten wir in Osteuropa und mit Menschen aus Osteuropa – an Orten, die von Krieg, politischer Gewalt, gesellschaftlichen Umbrüchen und ihren langen Nachwirkungen geprägt sind. Uns interessiert weniger das Ereignis selbst als die Zeit danach:
Der Augenblick, in dem eine neue Wirklichkeit beginnt und niemand weiß, wie man in ihr lebt.
Theater verstehen wir dabei nicht als Darstellung von Wirklichkeit, sondern als eine Form gesellschaftlicher Praxis. Es schafft Räume, in denen Menschen einander begegnen können, ohne sich auf ihre Herkunft, ihre politische Position oder ihre Biografie reduzieren zu müssen. Kunst wird zu einem Ort, an dem Erfahrungen geteilt, Widersprüche ausgehalten und Möglichkeiten für gemeinsames Handeln erprobt werden.
Unsere Arbeit verbindet Theater, soziale Forschung und internationale Zusammenarbeit. Sie entsteht gemeinsam mit Künstler:innen, Wissenschaftler:innen, lokalen Initiativen und Menschen, deren Lebensgeschichten Teil unserer Erzählungen werden.
Die Agency for Safe Space ist aus fast dreißig Jahren künstlerischer Arbeit von Georg Genoux in Osteuropa entstanden. Gemeinsam mit Anastasia Tarkhanova, Olga Bakukha und Wolfgang Genoux entwickelt sie langfristige Projekte an der Schnittstelle von Theater, Demokratie und gesellschaftlicher Transformation. Dazu gehören aktuell unter anderem Ex-East, das europäische Theater- und Zukunftslabor am Moritzhof Magdeburg, sowie die mehrjährigen Projekte Wurzelpunkte in mehreren Ländern und Malko i Gulyamo in Sofia.
Wir glauben, dass Theater dort seine größte Kraft entfaltet, wo Menschen nicht lernen sollen, einer Meinung zu sein, sondern die Fähigkeit entwickeln, Unterschiede auszuhalten. Frieden beginnt selten mit Einigkeit. Meist beginnt er mit einem Raum, in dem Begegnung überhaupt wieder möglich wird.
Kontakt: info@safespaceagency.org